Gießener Anzeiger vom 12.07.2017, Seite 11

PRO­JEKT An Wirt­schafts­schu­le am Os­walds­gar­ten gibt es ge­mein­sa­me Un­ter­richtss­tun­den / Für al­le „stark mo­ti­vie­rend“

GIES­SEN (msh). Vor fünf Jah­ren be­gann an der Wirt­schafts­schu­le am Os­walds­gar­ten (WSO) mit „Da­Zu­Ler­nen“ (Deutsch als Zweits­pra­che und in­ter­kul­tu­rel­les Ler­nen) ein In­teg­ra­ti­ons­pro­jekt, bei dem Schü­ler der kauf­män­ni­schen Be­rufs­fach­schu­le mit jun­gen un­be­glei­te­ten Flücht­lin­gen ein­mal wö­chent­lich in ei­ner Dop­pel­stun­de mit- und vo­nei­nan­der ler­nen. Zum fünf­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Pro­jekts fei­er­ten die bei­den Klas­sen zu­sam­men mit Lehr­kräf­ten und För­de­rern nun die bei­spiel­haf­te Er­folgs­ge­schich­te und blick­ten da­bei auf die Er­leb­nis­se des ver­gan­ge­nen Schul­jah­res zu­rück.

„Es er­füllt mich mit Stolz, dass die Schü­ler zu­sam­men­kom­men, um mit­ein­an­der den Un­ter­richt zu ge­stal­ten“, be­ton­te Dr. Ralf Sieb­ert, Ko­or­di­na­ti­ons­lei­ter des Pro­gramms In­teg­ra­ti­on und Ab­schluss (In­teA). Er fin­de es je­doch scha­de, dass es sol­che Ini­tia­ti­ven im All­tag noch nicht so häu­fig ge­be. Denn das Be­herr­schen der deut­schen Spra­che sei die ein­zi­ge Mög­lich­keit, um ei­ne re­gu­lä­re Klas­se be­su­chen zu kön­nen. „Des­halb ist die­ses Pro­jekt auch so wich­tig, und die­se Bot­schaft sollt Ihr bit­te an Eu­re Klas­sen­ka­me­ra­den wei­ter­ge­ben.“

WSO-Leh­re­rin Christ­ina Lang, die das Pro­jekt auf Ini­tia­ti­ve ei­ni­ger Schü­ler ins Le­ben ge­ru­fen hat­te, schloss sich Sieb­ert an. „Ein we­sent­li­ches Pro­jekt­ziel ist es, jun­gen Ge­flüch­te­ten die deut­sche Spra­che so schnell wie mög­lich bei­zu­brin­gen und ih­nen die Mög­lich­keit zu ge­ben, sich in Deutsch­land ein­zu­glie­dern und Freun­de zu fin­den.“ Da­bei spie­le vor al­lem die Be­geg­nung auf Au­gen­hö­he mit Gleich­al­tri­gen ei­ne zen­tra­le Rol­le. „Das wirkt auf bei­de Grup­pen stark mo­ti­vie­rend“, so ih­re Er­fah­rung.

„Die Rei­se nach Ber­lin war der ab­so­lu­te Hö­he­punkt“, er­in­ner­te sich die Leh­re­rin für Deutsch, Deutsch als Zweits­pra­che so­wie Eng­lisch. Die Haupt­stadt­er­leb­nis­se der Schü­ler wur­den an­schlie­ßend in ei­nem von ih­nen selbst er­stel­len Film prä­sen­tiert. „Sie ha­ben uns da­mit ei­nen gro­ßen Traum er­füllt“, dank­te Lang der Bür­gers­tif­tung Mit­tel­hes­sen, wel­che die Fahrt ge­för­dert hat­te. Für Eli­sa­beth Gro­te vom Stif­tungs­vor­stand war die Un­ter­stüt­zung ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit. „Wir ha­ben vie­le Jah­re da­rü­ber ge­re­det, mit der Pro­jekt­klas­se ein­mal in die Bun­des­haupt­stadt zu fah­ren. Es ist toll, dass wir da­bei hel­fen konn­ten.“

Ei­ne be­son­de­re Eh­rung wur­de den In­te-A-Schü­lern Nu­ral­lah Er­gün und Ovi­an­ni Na­ta­lie Fern­an­dez Lan­ti­gua zu­teil. Sie wur­den für ihr un­er­müd­li­ches En­ga­ge­ment in dem Pro­jekt mit dem So­zi­al­preis aus­ge­zeich­net. „Ihr bei­de habt ei­ne im­men­se Hilfs­be­reit­schaft ge­zeigt und wart im­mer für je­den Eu­rer Mit­schü­ler da“, lob­te sie Lang. An­schlie­ßend er­hiel­ten die Schü­ler bei­der Klas­sen ih­re Teil­nah­me­be­schei­ni­gung. Mit ei­ner Aus­stel­lung wur­de zu­dem an die Pro­jekt­klas­sen der vor­he­ri­gen Jah­re er­in­nert.