Edeltraud Alavi erhält mit Schülerinnen und Schülern des Projekts »Sprache als Brücke zur Integration« den Hessischen Integrationspreis im Biebricher Schloss, Wiesbaden verliehen. Foto: Hessische Staatskanzlei, Feige

 

Gießener Allgemeine vom 17.11.2017, S. 26

Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten für »Sprache als Brücke zur Integration« ausgezeichnet

Gießen/Wiesbaden (mac/pm). Große Freude in der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten: Die Hessische Landesregierung hat am Donnerstag im Rahmen eines Festaktes im Biebricher Schloss den Hessischen Integrationspreis verliehen. Der mit 8000 Euro dotierte Hauptpreis geht an »Sprache als Brücke zur Integration«, ein Projekt der Gießener Schule. In diesem Projekt, das bereits seit 2007 besteht, unterstützen angehende Abiturienten jugendliche Geflüchtete und Zugewanderte in Nachmittagskursen beim Erlernen der deutschen Sprache. Außerdem erstellen die Schüler der Abiturjahrgänge Unterrichtsmaterialien, die auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden zugeschnitten sind und bieten Hausaufgabenhilfe an. »Die Auszeichnung ist eine gigantische Wertschätzung der Integrationsarbeit an unserer Schule«, freute sich Schulleiterin Annette Greilich. Nach der »andächtigen und würdigen« Feierstunde im Kuppelsaal seien ihre 15 mitgereisten Schüler sehr beeindruckt gewesen. Laudator Werner D’Inka, Journalist und einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hatte das Zusammensein der beiden Schülergruppen nach einem Besuch in Gießen einfühlsam und plastisch wiedergegeben. »Alle Preisträger haben deutlich gemacht, wie wichtig die Zusammenarbeit von Deutschen und Zuwanderern ist. Je früher man damit beginnt, desto größer ist die Chance, dass es gelingt«, sagte Greilich.

Zugewanderte unterstützt

Unterrichtsbegleitend werden in der WSO auch Erkundungstouren in die Umgebung organisiert. Die Jugendlichen lernen ihre neue Umgebung so kennen und erhalten die Möglichkeit, Kontakte zu vertiefen und die erworbenen Sprachkenntnisse anzuwenden. Seit 2009 gibt es als ergänzendes Modul auch ein Musikprojekt, um den Spracherwerb durch dieses Medium zu fördern. Inzwischen haben an dem Projekt rund 320 Schüler und 750 junge Zugewanderte aus 25 Nationen teilgenommen. Mit dem Projekt »Sprache als Brücke zur Integration« zeichnet die Jury eine herausragende und nachhaltige Initiative aus, die bereits seit vielen Jahren besteht, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Junge Menschen engagierten sich ehrenamtlich, um jungen Geflüchteten und Zugewanderten, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern. Die Entwicklung von Lernmaterialien und -konzepten sowie der persönliche Umgang fördere die Entwicklung interkultureller und sozialer Kompetenzen auf beiden Seiten. »Junge Menschen schaffen eine Perspektive und bereichern sich gegenseitig.« Der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Kai Klose, gratulierte den Gewinnern: »Insgesamt sind 94 Bewerbungen mit hervorragenden Projekten eingegangen, die beweisen, wie bunt und vielfältig Hessen ist. Diese Initiativen schaffen ein Gefühl der Verbundenheit, sie wirken identitätsstiftend und stärken unsere Gesellschaft.« Im Mittelpunkt der mit 20 000 Euro dotierten Auszeichnung stand das Thema »Integration und Sprache«. »Hessen zeichnet sich auch aufgrund der Zuwanderung durch eine wachsende soziale und kulturelle Vielfalt aus«, erklärte Klose.

Weitere Preisträger

Die Landesregierung hat den Integrationspreis ins Leben gerufen, um die Herausforderungen und Erfolge der Integration in Hessen sichtbarer zu machen und zu stärken. Ausgezeichnet wurden auch das Projekt »Sprache-Arbeit-Zukunft« des Trägers »Duale Integration« aus Fulda, die Aktion »Biebergemünder Flüchtlinge sprechen Deutsch« und der Runde Tisch Asyl Ehrenberg (Rhön).